Norooz ist das persische Neujahrsfest

Was ist Norooz?

Norooz ist das Neujahrsfest im persischen und kurdischen Kulturraum und meint wörtlich übersetzt „Neuer Tag“. Nicht nur im Iran wird an diesem Feiertag das bedeutendste weltliche Fest begangen – und das schon seid sehr langer Zeit. Denn Norooz gibt es seid tausenden von Jahren. Einige Überlieferungen lassen darauf schließen, dass bereits vor 3.000 Jahren das persische Neujahr gefeiert wurde. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Fest, was feiern die Menschen an Norooz?

Ganz allgemein ist Norooz ein Frühlingsfest, es geht um die Frühlingserneuerung. So wie ein jeder neuer Tag Licht bring, so spendet das nahende Frühjahr wärmeres Licht und längere hellere Tage. Dieses Licht ehrt das persische Neujahrsfest, ebenso das Leben, das sich vom Lichte nährt und aufblüht. Aber Norooz symbolisiert für die Menschen, die dieses Fest begehen noch viel mehr. Es wird als Erneuerung betrachtet, nicht bloß als Erneuerung der Jahreszeit, sondern auch als Erneuerung der Welt und des Menschen selber. Norooz ist neben der Tag- Nachtgleiche auch gleichzeitig Weltenschöpfung – alles wird neu. Ein Frühlingsfest mit einer solchen Anschauung ist durch und durch mit Hoffnung verbunden, und um neue Hoffnung geht es auch bei dem persischen Neujahrsfest und all seinen Brauchtümern.

Bevor wir einen genauen Blick auf die vielen Bräuche des Norooz-Fests werfen, hier noch ein paar Eckdaten und Allgemeines zum persischen Neujahr:

Weltweit feiern jedes Jahr wahrscheinlich mehr als 300 Millionen Menschen Norooz, teilweise unter etwas abweichenden Namen. Diese Menschen leben beileibe nicht alle im Iran, wie sollte das bei einer Einwohnerzahl des gesamten Landes von ca. 77,45 Millionen (offizielle Zahl aus dem Jahr 2013) Menschen auch möglich sein.

Das persische Neujahr wird unter anderem traditionell in Indien, Kasachstan oder Afghanistan gefeiert, sowie auf dem Balkan oder im Kaukasus, wobei in der Türkei Norooz viele Jahrzehnte, bis in das Jahr 1994, verboten war. 

Menschen mit persischen Wurzel feiern in allen Teilen der Welt ihr Frühlingsfest, viele nennen es Norooz, andere Namen und Schreibweisen sind Nauryz, Newroz, Norus oder Nowruz. Das persische Neujahr verbindet sich mancherorts mit Traditionen anderer Feste, wie etwa in Indien mit denen des Holi-Festes. 

Als „Norooz-Tag“ wurde das Fest im Jahr 2009 als eines der ältesten Feste in eine Liste der UNESCO aufgenommen, nämlich in die der „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“.

Während in unseren Gefilden der Jahreswechsel Sylvester bedeutet und diese Feier stets am 31. Dezember zum 1. Januar hin stattfindet und ein neues Jahr einleitet, beginnt das persische Neujahr einige Monate später, (meist) zu Beginn des Frühlingsanfangs am 21. März. Demnach fallen Frühlingsanfang und das persische Neujahrsfest im (Gregorianischem) Kalender auf ein und denselben Tag, stets auf den Tag, wo Tag und Nacht einander gleich sind. 

 

Was für Bräuche gibt es zu Norooz?

Freundschaft und Solidarität

Ob nun im Iran oder an anderen Orten der Welt, immer wenn Menschen das Fest Norooz begehen, tun sie das gemeinsam mit vielen Freuden und der gesamten Familie. Gibt es Probleme oder Konflikte zwischen Gästen einer Festgesellschaft, werden diese beendet, um in Frieden Norooz feiern zu können. Zumindest ist das ein Anspruch, den Menschen im Zusammenhang mit Norooz haben, ob das in der Realität immer so funktioniert, lassen wir an dieser Stelle einfach mal so stehen. 

Festhalten können wir aber, das sich zum persischen Neujahr jene Menschen, die dieses Fest ernsthaft feiern, auf Freundschaft und Solidarität besinnen. An Norooz wird die ältere Generation geehrt und gefeiert, sie hat immerhin das Leben weitergeführt und vergrößert. Zu allen Ehren gehören stets Musik und Tanz, traditionelle Gebete und gute Speisen. 

Einiges an Vorbereitung

Eine übliche Feierlichkeit an Sylvester bedeutet entweder festliche Kleidung kaufen und zu einer Veranstaltung zu gehen, wo mit dem Eintrittspreis Musik und Buffett abgedeckt sind. Oder aber man trifft sich privat mit Freunden. Weit verbreitet ist es, Raclette oder auch Fondue zu machen. Letztere Art zu feiern ist in der Regel etwas aufwendiger, immerhin müssen die Speisen und Getränke eingekauft werden, die Zutaten fürs Raclette wie das Fondue klein geschnippelt und angerichtet werden. Zum Jahreswechsel um 24.00 Uhr, egal ob auf der bezahlten Party oder daheim mit Freunden, wir ein kleineres oder aber größeres Feuerwerk veranstaltet. Wer dieses selber bewerkstelligt, hat natürlich auch mit den Einkäufen der Kracher und Raketen im Vorfeld zu tun.

Aber all das, ganz gleich wie viele Leute man eingeladen haben sollte zur Sylvesterfeier daheim und ganz gleich wie sehr man mit der Auswahl seiner schicken Kleidung beschäftigt sein sollte, der Aufwand kommt nicht ansatzweise an die umfangreichen Vorbereitungen für die traditionelle Norooz-Feier heran. 
Einige Wochen vor Frühlingsanfang, gegen Anfang März beginnen die Vorbereitungen für das Fest mit einem wirklich sehr gründlichen Frühjahrsputz, bei dem die gesamte Familie mit hilft. Beim groß Reine machen im Rahmen von Norooz geht es um die bereits erwähnte Erneuerung. Den nahenden Frühling, der als Neuanfang betrachtet wird, erwartet und empfängt man in frischen und sauberen Räumen, ganz so, als sei das Heim neu.

In dieser Zeit werden daheim auch Teller mit Samen bereitgestellt. Die Saat bringt meist Gräser aus Linsen, Gerste oder Weizen hervor, gedacht als Symbol für die Erschaffung des Lebens – die Erneuerung an Norooz ist allgegenwärtig.

Wenn das Heim hergerichtet ist, geht traditionell die Familie gemeinsam einkaufen. Nicht nur das Zuhause wird hergerichtet, auch die Menschen selber machen sich bereit, Norooz zu empfangen, sie machen sich frisch wie die Natur, die beginnt zu wachsen und zu gedeihen. Es werden neue Kleider und Schuhe gekauft, gewöhnlich kleiden Eltern ihre Kinder ein. Schade ist es im Rahmen dieser Tradition natürlich, wenn der Familie das Geld für diesen Brauch fehlen sollte. 

An dieser Stelle wollen wir aber nicht an Mangel und Entbehrungen denken, sondern an schöne Bräuche und ihre Ursprünge und die Beweggründe der Menschen.

Beim Norooz-Einkauf werden regelrecht Vorräte besorgt, damit genügend Obst, Nüsse, Konfekt, viele Süßigkeiten, besonders die persische Süßigkeit Gaz für die ganzen Feierlichkeiten zum Neujahr zuhause sind. Im Gegensatz zum Sylvester erstreckt sich das persische Neujahr nämlich über dreizehn Festtage. An diesen dreizehn Tagen sollen alle Gäste, Familie, Freunde und Nachbarn gut verpflegt und bewirtet werden können. 

Ebenfalls ist es Tradition in der Norooz-Kultur, dass Eltern und Großeltern die jüngeren in der Familie mit Geld beschenken. Hier bedarf es deshalb der Planung und Vorbereitung, da das Geld, Scheine wie Münzen, druck- / prägefrisch sein sollen. In iranische Banken sind eben wegen dieses verbreiteten Brauchs neue Münzen und Scheine zu Norooz vorrätig. 

 

Der letzte Tag

Am Mittwoch vor dem neuen Jahr, Chahar-Shanbe-Suri genannt und zu deutsch der „rote Mittwoch“, beginnen die Vorfeiern zu Norooz. Man trifft sich im Freien, da nach alter Tradition ein Feuer gemacht wird. Anders als sonst oft in der noch kälteren Jahreszeit, wird dieses Feuer nicht entzündet, damit sich die Menschen drumherum wärmen. Vielmehr springen Familie und Freunde nacheinander alle über das lodernde Feuer. Alles Negative lässt man hinter sich; der Sprung voll Lebensfreude soll Glück und Freude im neuen Jahr bringen. 

An den Tagen vor Norooz sind alle die Menschen, die das persische Neujahr ernsthaft feiern und für die die Bräuche und Traditionen der Erneuerung eine wichtige Bedeutung haben, voller Anspannung und Vorfreude. Natürlich sind Unruhe und Aufregung teilweise auch damit zu erklären, da in den kommenden Tagen immer wieder viele Gäste zu bewirten sind. Einige Stunden vor dem Jahreswechsels, kommen Familie und Freude zusammen, sie versammeln sich alle mit einer Münze in der Hand vor dem so genannten Gabentisch und hofft auf Glück im neuen Jahr.

 

Was ist Haft-Sin? Der Norooz - Gabentisch - wird vorbereitet.

Der traditionellen Gabentisch für die Norooz-Feierlichkeiten gehört mit zu den Vorbereitungen für das neue Jahr. Denn auf diesem Tisch stehen Dinge, die nicht wie ein Oster- oder Weihnachtsschmuck in einem Karton aufbewahrt werden können.

Alle Elemente auf dem Gabentisch beginnen mit dem persischen Buchstaben Sin, weshalb der symbolreiche Tisch auch Haft Sin genannt wird. Der gedeckte Tisch besteht aus locker festgelegten Zutaten, es muss aber in jedem Fall jede der Zutaten mit dem persischen „S“, dem „Sin“ beginnen. Im Laufe der Zeit ist es üblich und verbreitet geworden, dass bestimmte Zutaten häufig benutz werden, das sind unter anderem:

 - selbstgezüchtete Gräser (aus Weizensaat, Linsen oder Gerste); SABSI als Symbol für die Erschaffung und Entstehung des Lebens sowie Symbol für Munterkeit

- süßer Weizenbrei; SAMANOU als Symbol für Wohltat und Segen 

- Knoblauch, SIR als Symbol für Schutz

-  Mehlbeeren, SANDJED als Symbol für die Saat des Lebens

- Essig, SERKEH als Symbol für Fröhlichkeit

- Apfel; SIB als Symbol für Gesundheit / Natur

- Gewürzsumac; SUMAC als Symbol für den Geschmack des Lebens

- Geldmünzen; SEKE als Symbol für Reichtum und Erfolg

Traditionell ist auf dem Gabentisch zum persischen Neujahr ein Wasserglas mit 2 Goldfischen zu finden, sie symbolisieren das Leben an sich und stehen auch für Glück. Außerdem wird ein Spiegel aufgestellt. Reinheit und Ehrlichkeit werden hier symbolisiert. 

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Kerzen spenden Licht und sie werden als Symbol für Licht und Helligkeit auf dem Norooz-Tisch aufgestellt. Getrocknete Nüsse und Süssigkeiten dürfen zum persischen Neujahr nirgends fehlen, auch nicht auf dem Gabentisch.  

Bemalte Eier, die eigentlich wie Ostereier aussehen, sind stets auf dem Gabentisch mit dabei, weil sie wie auch bekannt aus anderen Religionen für Fruchtbarkeit oder Erneuerung stehen. 

Ein Buch als Symbol für Weisheit ist meist ein weiterer Bestandteil des Gabentisches. Konfessionsabhängig kann das Buch Avesta, Koran oder die Bibel sein. 

 

Beginn des neuen Jahres 

Dieser Beginn ist genau festgelegt, nach Teheraner Zeit. An den darauf folgenden zwölf Tagen stehen permanent Besuche bei Freunden, Nachbarn und Verwandten an. 

Am dreizehnten Tag wird das Ende der Feierlichkeiten eingeläutet, mit einem Tag im Freien. Die Familie kommt zusammen und trifft sich zu einem Picknick im Grünen, mindestens in einem Park, am besten aber in der Nähe eines Flusses. 

Symbolisch wird der mit viel Hingabe gedeckte Tisch nun abgeräumt. Das selbstgezüchtete Gras aus Linsen, Weizen oder Gerste dürfte inzwischen zu einem grünen Teppich gewachsen sein. Die Picknickgesellschaft hat diese Gräser dabei, bindet sie zusammen und wirft sie ins Wasser, damit sie weit weg getragen werden. In den Wochen zuvor diente der Grasteppich dazu symbolisch alles Kranke und Unglück einzufangen – nun ist es Zeit, es vom Fluß wegtreiben zu lassen. 

 

Das persische Neujahr ist umfangreich und angereichter mit Symbolen, Hoffnungen, Freude und ganz viel Erneuerung. Kennt man die dazugehörigen Traditionen nicht und keine Menschen, die solche Traditionen leben, wird einem Norooz wahrscheinlich fremd bleiben. Aber die Gedanken der Erneuerung und die große Lust und Freude am Leben, darauf können wir uns ruhig alle häufiger besinnen – und warum nicht einmal im Jahr, wenn Frühling und Natur wieder blühen und gedeihen.

 

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